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Geduldsprobe

»Du musst Geduld haben.«
Ein Satz, der mich sofort unruhig werden lässt. Mein Herz klopft schneller, meine Finger wollen irgendetwas tun, nur nicht warten. Ich merke richtig, wie ich innerlich anfange, mit dem Fuß zu wippen, sobald dieses Wort im Raum steht: Geduld.

Und doch ist genau das die wohl wichtigste Fähigkeit, die man als Autor*in mitbringen sollte. Oder zumindest lernen muss. Psst ... Ich arbeite noch daran.

Seit einigen Jahren bewege ich mich nun in dieser Welt aus Worten, Ideen und Geschichten. Und ich habe schnell verstanden: Schreiben ist nur ein Teil des Jobs. Der andere – deutlich größere – Teil besteht aus Warten. Warten auf Antworten. Warten auf Entscheidungen. Warten darauf, dass sich Dinge entwickeln, die man selbst längst angestoßen hat, aber nicht mehr kontrollieren kann.

Zum Beispiel Exposés. Man schickt sie ab, voller Hoffnung, Herzklopfen und diesem leisen Kribbeln im Bauch. Und dann? Stille. Tage vergehen. Wochen. Vielleicht Monate. Und während man nach außen hin ganz souverän wirkt (»Ach, das dauert halt«), sieht es innen ganz anders aus: Habe ich alles richtig gemacht? Hätte ich noch etwas ändern sollen? Haben sie es überhaupt gelesen?
Spoiler: Diese Fragen helfen kein bisschen. Sie sind nur Begleitmusik zum Warten.

Dann das Lektorat. Man gibt sein Manuskript ab, dieses Herzensprojekt, an dem man so lange gefeilt hat, und plötzlich liegt es nicht mehr in den eigenen Händen. Andere lesen, bewerten, verändern. Und wieder heißt es: Geduld haben. Vertrauen. Loslassen. Drei Dinge, die ich ehrlich gesagt lieber schreibe als lebe. 

Und als wäre das nicht genug, geht es munter weiter: Buchpakete, die unterwegs sind und gefühlt jede einzelne Ortschaft besichtigen, bevor sie bei mir ankommen. Rezensionen, auf die man sich freut – und gleichzeitig ein kleines bisschen fürchtet. Zahlen, Entwicklungen, Rückmeldungen … alles Dinge, die Zeit brauchen. Ja, ich weiß das!

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass mir das inzwischen leichtfällt. Tut es aber nicht. Ich bin und bleibe ein ungeduldiger Mensch. Ich mag es nicht, zu warten. Ich mag es, Dinge anzustoßen, zu machen, voranzugehen. Stillstand fühlt sich für mich selten gut an.

Und doch habe ich in all dem Warten etwas gelernt. Nicht sofort, nicht freiwillig, aber Stück für Stück. Zwischen den Tagen, an denen nichts passiert, passiert nämlich doch etwas. Ideen wachsen weiter. Figuren entwickeln sich im Hinterkopf. Neue Geschichten klopfen leise an.

Und manchmal, ganz vorsichtig, entsteht aus dieser erzwungenen Pause etwas Gutes: Raum.

Raum zum Durchatmen. Raum zum Neujustieren. Raum, um sich daran zu erinnern, warum man das alles eigentlich macht.

Vielleicht ist Geduld also gar nicht nur das passive Ausharren, für das ich sie immer gehalten habe. Vielleicht ist sie eher eine stille Begleiterin, die mir zuflüstert: Du bist auf dem richtigen Weg. Auch wenn gerade nichts passiert.

Na gut. Vielleicht ist das Flüstern sehr leise und man kann es schnell überhören.

Aber, wie gesagt, ich arbeite daran.